Worum geht es?
Wer heute Produkte, Dienstleistungen oder digitale Angebote an Verbraucher verkauft, bewegt sich in einem dichten Netz aus Informationspflichten.
Das Problem:
Diese Pflichten stehen nicht in einem Gesetz.
Sie verteilen sich über Vertragsrecht, Wettbewerbsrecht, Datenschutz, Plattformregeln und Spezialgesetze.
Die Folge in der Praxis:
- Abmahnungen
- Rückforderungen
- Verträge, die nicht durchsetzbar sind
Dieser Beitrag zeigt die entscheidenden Fehlerquellen – und wie Sie Ihr Geschäftsmodell rechtssicher aufstellen.
1. Der Grundfehler: Informationspflichten werden isoliert geprüft
Viele Unternehmen prüfen:
- Impressum ✔
- AGB ✔
Und übersehen:
👉 Informationspflichten entstehen entlang des gesamten Verkaufsprozesses
– vom ersten Klick bis zur Zahlung.
2. Die 12 häufigsten Fehler (aus der Praxis)
Fehler 1: Unvollständige Pflichtinformationen vor dem Kauf
Rechtsgrundlage: Art. 246a EGBGB
Typisch:
- keine klare Leistungsbeschreibung
- fehlende Angaben zur Laufzeit
- unklare Kündigungsbedingungen
👉 Folge: Abmahnung + Rücktrittsrechte
Fehler 2: Unklare oder versteckte Preise
Rechtsgrundlage: Preisangabenverordnung (PAngV)
Typisch:
- Zusatzkosten erst im Checkout
- fehlende Versandkosten
- „ab“-Preise ohne Klarstellung
👉 Folge: Wettbewerbsverstoß
Fehler 3: Ratenzahlung ohne Beachtung des Darlehensrechts
Rechtsgrundlagen:
- §§ 491 ff. BGB
- Art. 247 EGBGB
Typisch:
- „0 %-Finanzierung“ ohne vollständige Angaben
- versteckte Kosten
👉 Folge: Vertragsunwirksamkeit + Rückabwicklung
Fehler 4: Fehlender oder falscher Bestellbutton
Rechtsgrundlage: § 312j BGB
Typisch:
- „Weiter“ statt „zahlungspflichtig bestellen“
👉 Folge: Vertrag kommt nicht wirksam zustande
Fehler 5: Kein Kündigungsbutton bei Abos
Rechtsgrundlage: § 312k BGB
Typisch:
- Kündigung nur per E-Mail möglich
👉 Folge: Abmahnung + Bußgeldrisiko
Fehler 6: Irreführende Werbung oder überzogene Versprechen
Rechtsgrundlage: Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
Typisch:
- „garantierter Erfolg“
- „schnelle Heilung“
- unrealistische Ergebnisse
👉 Folge: Unterlassung + Schadensersatz
Fehler 7: Unzulässige Health Claims
Rechtsgrundlagen:
- Heilmittelwerbegesetz
- VO (EG) 1924/2006
Typisch:
- Aussagen zu Gesundheit ohne wissenschaftliche Grundlage
👉 besonders kritisch bei:
- Supplements
- Coaching im Gesundheitsbereich
Fehler 8: Coaching-Angebote ohne Prüfung des FernUSG
Rechtsgrundlage: Fernunterrichtsschutzgesetz (hier auch nachzulesen in unserem Beitrag im Betriebs Berater)
Typisch:
- strukturierte Programme mit Feedback
- Zertifikate oder Abschlüsse
👉 Folge:
- Vertrag kann nichtig sein
- vollständige Rückzahlungspflicht
Fehler 9: Fake-Bewertungen oder intransparente Rankings
Rechtsgrundlage: UWG § 5b
Typisch:
- gekaufte Reviews
- fehlende Offenlegung von Rankings
👉 Folge: Abmahnung
Fehler 10: Datenschutz nur „formal“ umgesetzt
Rechtsgrundlage: Datenschutz-Grundverordnung
Typisch:
- Tracking ohne Einwilligung
- unklare Datenschutzerklärung
👉 Folge:
- Bußgelder
- Abmahnungen
Fehler 11: KI wird eingesetzt – aber nicht offengelegt
Rechtsgrundlage: EU Artificial Intelligence Act
Typisch:
- AI-generierte Inhalte ohne Kennzeichnung
- Chatbots ohne Hinweis
👉 Folge:
- Transparenzverstöße
- Vertrauensverlust
Fehler 12: Zahlungsabwicklung rechtlich falsch strukturiert
Rechtsgrundlagen:
- Kreditwesengesetz
- Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz
Typisch:
- Plattformen nehmen Geld an, ohne Zahlungsdienst zu sein
- unklare Rollenverteilung
👉 Folge:
- aufsichtsrechtliche Risiken
- Geschäftsmodell gefährdet
3. Die richtige Perspektive: Denken Sie in Phasen
Informationspflichten lassen sich nicht isoliert prüfen.
Sie entstehen entlang des gesamten Verkaufsprozesses:
- Marketing
- Angebot
- Vertragsschluss
- Zahlung
- Leistung
👉 Jeder Schritt hat eigene rechtliche Anforderungen.
4. Kernaussage
Informationspflichten sind kein „Formularproblem“.
Sie entscheiden darüber:
- ob Ihr Vertrag wirksam ist
- ob Kunden zahlen müssen
- ob Ihr Geschäftsmodell skalierbar ist
5. Handlungsempfehlung für Unternehmer
1. Prüfen Sie Ihr Geschäftsmodell – nicht nur Ihre Website
→ Wo entstehen Informationspflichten?
2. Identifizieren Sie kritische Bereiche
- Preis
- Leistung
- Werbung
- Zahlung
3. Schaffen Sie klare Strukturen
- transparente Angebote
- klare Verträge
- saubere Prozesse
6. Fazit
Wer Informationspflichten ignoriert, riskiert nicht nur Abmahnungen.
Er riskiert, dass sein Geschäftsmodell rechtlich nicht trägt.
Über den Autor
Dr. Marc Laukemann ist Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht sowie für gewerblichen Rechtsschutz und berät Unternehmer bei der rechtssicheren Gestaltung und Skalierung digitaler Geschäftsmodelle.
Hinweis auf unsere Beratung
Wir prüfen Geschäftsmodelle systematisch – vom ersten Kundenkontakt bis zur Zahlungsstruktur – und identifizieren rechtliche Risiken, bevor sie zum Problem werden.
👉 Mehr unter: www.lfr-law.de


